In Corona-Zeiten vier von zehn Neueinstlungen befristet

Duisburg, 10. April 2021

Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber haben ihre Neueinstellungen im Zuge der Corona-Krise dramatisch zurückgefahren. So lag die Zahl der Menschen, die eine neue Beschäftigung aufnahmen, im zweiten Quartal 2020 um 29 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Obwohl sich Arbeitgeber bei Einstellungen also offensichtlich auf das „Nötigste“ beschränken, ist der Anteil der Befristungen weiterhin hoch: 39,4 Prozent der neu Eingestellten erhielten im Frühjahr 2020 einen befristeten Arbeitsvertrag. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ging diese Quote aber moderat um 2,5 Prozentpunkte zurück. Das zeigt eine neue Untersuchung von Forschern des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. 

An den langjährigen Mustern bei befristeten Einstellungen hat sich in der Corona-Pandemie ebenfalls wenig geändert, macht die Analyse der WSI-Experten Dr. Eric Seils und Dr. Helge Emmler deutlich: Überdurchschnittlich stark von Befristungen betroffen sind weiterhin junge Beschäftigte sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ausländischer Staatsangehörigkeit. So bekamen von den neu Eingestellten unter 25 Jahren 50,8 Prozent nur einen befristeten Arbeitsvertrag, während das in der Altersgruppe zwischen 25 und 54 für 37,1 Prozent galt.

Schaut man auf die Qualifikation, müssen sowohl Beschäftigte ohne Ausbildungsabschluss (51,7 Prozent) als auch Hochschulabsolventen (44,6) in einem neuen Job überdurchschnittlich häufig mit einem befristeten Vertrag Vorlieb nehmen. Besonders weit verbreitet sind befristete Neueinstellungen in den Wirtschaftszweigen Erziehung und Unterricht sowie Information und Kommunikation.

Dementsprechend weisen oft Regionen sehr hohe Befristungsquoten auf, deren Arbeitsmarkt von der Kreativ- und Medienbranche oder von Hochschulen geprägt sind. Das gilt nach der neuen Studie etwa für Köln (61,4 Prozent Befristungsquote bei Neueinstellungen), Potsdam (59,7 Prozent) oder Berlin (52,8 Prozent).

Für ihre Untersuchung werteten Seils und Emmler die neuesten verfügbaren Prozessdaten der Bundesagentur für Arbeit zu Einstellungen aus, die sich auf das 2. Quartal 2020 beziehen. Die Prozessdaten sind deutlich aktueller als andere Datenquellen, und sie lassen sich detailliert regional auswerten. Dagegen ist es auf dieser Basis nicht möglich, zwischen Befristungen mit Sachgrund (z.B. Elternzeitvertretung) und ohne zu differenzieren.

Kurzarbeit für Qualifizierung nutzen

Kurzarbeit hat in Nordrhein-Westfalen (NRW) über einem Jahr hunderttausende Arbeitsplätze gesichert und vielfach Arbeitslosigkeit verhindert. Verkürzte Arbeit und die aufgrund der Arbeitsausfälle entstehenden zeitlichen Freiräume können auch für Weiterbildung und Qualifizierung genutzt werden. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist das eine Chance, sich individuell berufliche weiterzuentwickeln, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Düsseldorf veröffentlichte.

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können durch die Qualifizierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unmittelbar auch ihr Unternehmen stark für die Anforderungen der Zukunft machen. Damit das gut gelingen kann, unterstützen die Agenturen für Arbeit Unternehmen und ihre Beschäftigten mit vielen Angeboten und Fördermöglichkeiten bei der passgenauen Realisierung individueller Qualifizierungswünsche während und nach der Zeit der Kurzarbeit.

Dabei können schon Qualifizierungen von mehr als 120 Stunden über die Bundesagentur für Arbeit unterstützt werden. Qualifizierung kann auch ohne Kurzarbeit gefördert werden. Dann bestehen ergänzende Möglichkeiten der finanziellen Förderung. Dazu gehört zum Beispiel ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt, der während der Phase der Kurzarbeit entfällt, da durch das Kurzarbeitergeld ja bereits eine teilweise Übernahme von Lohnkosten von den Agenturen für Arbeit geleistet wird.

„Viele Unternehmen und Betriebe stehen derzeit vor enormen Herausforderungen. Die Durststrecke ist für viele nicht leicht. Doch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihre Unternehmen können diese auch nutzen, um sich fortzubilden und im Unternehmen neues Knowhow für die Zeit nach der Krise aufzubauen. Schon vor der Pandemie waren in vielen Bereichen die Menschen gefordert, ihre Kenntnisse bald, in vielen Fällen auch schon regelmäßig anzupassen. Diese Weiterentwicklung von Berufsbildern und Arbeitstechniken hat jetzt noch einmal enorm an Fahrt aufgenommen. Das ist nicht nur eine Herausforderung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die die passenden Arbeitskräfte für ihren wirtschaftlichen Erfolg finden müssen. Deshalb ist es uns sehr wichtig, Qualifizierung und Weiterbildung von Beschäftigten zu fördern. Wie und mit welchen Fortbildungen dies geschehen kann, wissen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, also die Menschen in den Unternehmen am besten. Die Agenturen für Arbeit bieten bei ihrem Dialog Unterstützung und Beratung. Sicher aber ist: Der einfachste Weg ist, das richtige Personal in den eigenen Reihen zu finden. Und während der Kurzarbeit, davon sind wir überzeugt, ist die Zeit für Weiterbildung besonders günstig“, so Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit.

326 Milliarden Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft 2019

Duisburg, 08. April 2021

Die öffentlichen Haushalte und der private Bereich haben im Jahr 2019 nach vorläufigen Berechnungen insgesamt 325,6 Milliarden Euro für Bildung, Forschung und Wissenschaft in Deutschland ausgegeben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mitteilte, waren das 13,8 Milliarden Euro beziehungsweise 4,4 Prozent mehr noch als im Vorjahr 2018. Die Ausgaben machten 9,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, im Jahr 2018 waren es 9,3 Prozent.

Mit 185,7 Milliarden Euro entfiel der größte Teil der Ausgaben auf Bildungseinrichtungen in öffentlicher und privater Trägerschaft. Dazu gehören Ausgaben für Schulen und den schulnahen Bereich (zum Beispiel Schülerbeförderung) von 105,8 Milliarden Euro mit 57 Prozent, für tertiäre Bildungseinrichtungen wie etwa Hochschulen (einschließlich Forschung und Entwicklung) von 42,5 Milliarden Euro mit 22,9 Prozent und für Kindertageseinrichtungen von 34,4 Milliarden Euro mit 18,5 Prozent.

Auf weitere Bereiche wie Weiterbildung, Jugendarbeit oder Horte entfielen insgesamt 23 Milliarden Euro öffentlicher und privater Ausgaben. Die Ausgaben für Bildungsförderung (zum Beispiel BAföG) betrugen 13,7 Milliarden Euro. Unternehmen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wendeten für Forschung und Entwicklung 90,6 Milliarden Euro auf.

Angaben über die Finanzierungsstruktur nach Trägern liegen bislang nur für das Jahr 2018 vor. In diesem Jahr finanzierten die öffentlichen Haushalte 62,9 Prozent der Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft, auf den Bund entfielen 11,4 Prozent, auf die Länder 38,7 Prozent, und auf die Gemeinden 12,8 Prozent. 35,1 Prozent wurden vom privaten Bereich (Unternehmen, Organisationen ohne Erwerbszweck und private Haushalte) und zwei Prozent vom Ausland übernommen.

Bruttolöhne und -gehälter und Renten langfristig deutlich gestiegen

Die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer in Deutschland sind nach den Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen im Jahr 2020 gegenüber 2019 nominal (nicht preisbereinigt) um 0,1 Prozent zurückgegangen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden bekannt gab, haben die Corona-Krise und der daraus resultierende massive Anstieg der Kurzarbeit sowie der starke Rückgang der Zahl der geringfügig Beschäftigten die Lohnentwicklung stark beeinflusst und dazu geführt, dass 2020 erstmals seit der deutschen Vereinigung die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter rückläufig waren.

Deutlich niedrigere Durchschnittsverdienste als 2019 gab es insbesondere in der Luftfahrt, bei Reisebüros und Reiseveranstaltern, im Gastgewerbe sowie im Handel. Im Zeitraum von 2010 bis 2020 sind die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer um 28,5 Prozent gestiegen, die jährliche Zuwachsrate lag bei durchschnittlich 2,5 Prozent. 

Die realen (preisbereinigten) Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer lagen im Jahr 2020 um 0,6 Prozent niedriger als 2019, da die Verbraucherpreise 2020 um 0,5 Prozent stiegen. Zuletzt hatte es im Krisenjahr 2009 einen Rückgang der realen Durchschnittsverdienste mit einem Minus um 0,2 Prozent gegeben. In den Jahren 2010 bis 2020 verzeichneten die realen Bruttolöhne und -gehälter im Durchschnitt einen jährlichen Zuwachs von 1,3 Prozent. 

Zwischen 2010 und 2020 ist der aktuelle Rentenwert im Westen um 25,7 Prozent und im Osten Deutschlands um 37,7 Prozent gestiegen. In diesem Zeitraum betrug die jährliche Rentenanpassung im Westen durchschnittlich 2,3 Prozent und im Osten 3,3 Prozent. Insbesondere zwischen 2016 und 2020 gab es sowohl in West- als auch in Ostdeutschland mit jahresdurchschnittlich einem Plus von 3,2 Prozent beziehungsweise einem Zuwachs von 4,2 Prozent überdurchschnittlich hohe Rentensteigerungen. 

Nicht nur nominal, sondern auch real sind die Renten in den vergangenen Jahren gestiegen: Seit 2014 in Gesamtdeutschland und bereits seit 2012 im Osten sind die realen Renten gewachsen, was auch durch eine in einzelnen Jahren niedrige Inflationsrate begünstigt wurde. Im Jahr 2020 betrug die reale Rentensteigerung in Westdeutschland rund drei Prozent und in Ostdeutschland 3,7 Prozent.

Seit 2016 sind die Renten in den westdeutschen Bundesländern real um jahresdurchschnittlich 1,6 Prozent und in den ostdeutschen Bundesländern um 2,5 Prozent gestiegen. Dass dies nicht immer so sein muss, zeigt ein Blick auf weiter zurückliegende Ergebnisse: So sind die Rentenanpassungen in den Jahren 2010 und 2011 hinter der Veränderungsrate der Verbraucherpreise zurückgeblieben. 

Agenturen für Arbeit, Unternehmer NRW und DGB NRW werben für die Ausbildung

Duisburg, 05. April 2021

Die Corona-Pandemie stellt den Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen (NRW) vor besondere Herausforderungen. Ein halbes Jahr vor dem Start des Ausbildungsjahres haben Unternehmen 84.797 Ausbildungsplätze gemeldet, 6.417 oder sieben Prozent weniger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Düsseldorf bekannt gab. Auch bei den Bewerberinnen und Bewerbern ist ein Corona-Effekt zu beobachten: Bis Ende März hatten sich 81.500 junge Menschen und damit 8.334 Jugendliche oder 9,3 Prozent weniger als noch vor einem Jahr für einen Ausbildungsplatz gemeldet.

Im selben Zeitraum meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit 81.500 Jugendliche, die sich für eine duale Berufsausbildung interessieren. Das waren 8.334 Bewerberinnen oder Bewerber oder 9,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auf 100 Jugendliche kamen landesweit demnach Ende März 104 gemeldete Ausbildungsstellen. Vor einem Jahr lag dieses Verhältnis bei 100 zu 102, veränderte sich aber im Laufe des weiteren Vermittlungsjahres.

Zur Schlussbilanz im September 2020 kamen auf 100 Bewerberinnen und Bewerber 96 Ausbildungsstellen. Aktuell suchen noch 55.172 Bewerberinnen und Bewerber eine Ausbildungsstelle. Davon gelten 45.939 junge Menschen als unversorgt, während 9.233 eine Alternative haben.

Weiterhin gibt es am Ausbildungsmarkt in NRW deutliche regionale Unterschiede. So kamen im März in Südwestfalen auf 100 Bewerberinnen und Bewerber 149 und im Münsterland 147 Ausbildungsangebote. Im Bergischen Land und im Ruhrgebiet gibt es hingegen mehr Bewerberinnen und Bewerber als Ausbildungsplätze. Im Ruhrgebiet kamen auf 100 Jugendliche 86, im Bergischen Land 92 gemeldete Ausbildungsstellen. In Ostwestfalen kamen 107 Stellen, im Rheinland 102 Stellen auf 100 Bewerberinnen und Bewerber.

Torsten Withake, Vorsitzender Geschäftsführung Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit appellierte: „Die anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie stellen den Ausbildungsmarkt auch in diesem Jahr auf die Probe. Viele Jugendliche haben sich noch nicht auf einen Ausbildungsplatz beworben, da sie aufgrund der Corona-Pandemie noch unentschlossen sind. Deshalb bieten die Agenturen für Arbeit zum Beispiel die Möglichkeit der Beratung durch Video-Chats an, um Schülerinnen und Schüler individuell unterstützen und begleiten zu können. Alle jungen Erwachsenen sollen ihre Chance für einen guten Start in die berufliche Zukunft erhalten. Aber auch in vielen Unternehmen wird noch gezögert, in den Nachwuchs zu investieren und Ausbildungsstellen anzubieten. Dabei ist es gerade jetzt wichtig auszubilden. Wer jetzt ausbildet, der investiert in seine Fachkräfte von morgen. Auch für Unternehmen gibt es hilfreiche Unterstützungsmöglichkeiten, von der erweiterten Ausbildungsprämie bis zur Assistierten Ausbildung. Deshalb möchte ich an alle Unternehmerinnen und Unternehmer appellieren: Bilden Sie jetzt Nachwuchs aus, trotz aller Herausforderungen! Es lohnt sich, für die Zukunft Ihres Unternehmens, für die jungen Menschen, und auch für Nordrhein-Westfalen!“

Frühjahresbelebung sorgt für sinkende Arbeitslosigkeit in Nordrhein-Westfalen

Am Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat im März die Frühjahresbelebung eingesetzt – trotz der weiter anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Eindämmungsmaßnahmen. So sank die Arbeitslosigkeit mit 13.863 Personen im Vergleich zum Vormonat stärker als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Mit 756.465 arbeitslos gemeldeten Menschen waren allerdings auch 108.278 Personen oder 16,7 Prozent mehr arbeitslos als vor der Pandemie, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Düsseldorf berichtete. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent.

Anteilig den stärksten Rückgang bei der Arbeitslosigkeit gab es bei jungen Menschen unter 25 Jahren. Grund ist, dass viele junge Absolventen einer Berufsausbildung nach einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit jetzt eine Anstellung finden konnten.

Prozentual nahm die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren im Vergleich zum Vormonat am stärksten ab. Die sogenannte Jugendarbeitslosigkeit ging im März um 3,2 Prozent oder 2.102 Personen auf 64.381 Arbeitslose zurück. Damit lag die Arbeitslosigkeit junger Menschen im März um 8.523 Personen oder 15,3 Prozent über der des Vorjahres.

Im März stieg auch die Zahl der Menschen wieder, die eine Arbeit aufnehmen konnten. 40.946 Personen fanden einen Job, das waren 3.931 Personen oder 10,6 Prozent mehr als im Februar. Vor einem Jahr waren es 1.121 Personen oder 2,7 Prozent mehr. Gleichzeitig sank die Zahl der Menschen, die sich aus der Arbeit heraus neu arbeitslos melden mussten. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre lag diese Zahl im März bei rund 46.000 Personen. Im aktuellen März mussten sich nur 38.714 Personen arbeitslos melden. Das waren 4.381 Personen oder 10,2 Prozent weniger als im Februar und 9.231 Personen oder 19,3 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Zwar zog im März passend zur einsetzenden Frühjahresbelebung die Nachfrage nach Arbeitskräften leicht an. Doch blieb das Niveau, auf dem freie Stellen neu gemeldet wurden, weiter eher niedrig. Das dürfte eine Auswirkung der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Corona-Virus sein. Landesweit wurden im März 31.007 offene Stellen neu gemeldet, 1.031 oder 3,4 Prozent mehr als im Februar. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Zahl der neu gemeldeten Stellen um 408 oder 1,3 Prozent niedriger. Insgesamt waren bei den Agenturen für Arbeit im März 123.821 Stellen gemeldet – 19.382 oder 13,5 Prozent weniger als vor einem Jahr und 4.564 oder 3,8 Prozent mehr als im Vormonat.

„Trotz der Sorgen, die uns allen die Corona-Virus-Pandemie nach wie vor bereitet, hat sich der März am Arbeitsmarkt in NRW positiv entwickelt. Nach wie vor liegt zwar die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen deutlich über der Vor-Corona-Zeit. Und es wird sicher für viele Menschen nicht einfach, schnell wieder in den Job zurückzukehren, denn das Angebot an freien Arbeitsstellen liegt weiterhin auf niedrigem Niveau. Doch zugleich hat im März auch die für die Jahreszeit typische Frühjahresbelebung eingesetzt. Und zwar mit einem stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit als im langjährigen Schnitt. Darüber freuen wir uns sehr“, zog Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit seine Bilanz zur Lage am Arbeitsmarkt in NRW im März. 

In NRW 2020 4,2 Prozent weniger Arbeitsstunden als noch im Vorjahr 2019

Die Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen (NRW) arbeiteten im Jahr 2020 insgesamt rund 12,5 Milliarden Stunden. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt aus Düsseldorf mitteilte, verringerte sich die Zahl der geleisteten Stunden gegenüber dem Jahr 2019 um rund 546 Millionen bzw. 4,2 Prozent. Erbracht wurde die Arbeitsleistung von den 9,55 Millionen Erwerbstätigen im Land. Die Zahl der Erwerbstätigen war um ein Prozent niedriger als noch im Vorjahr; damit wurde der Trend der letzten zehn Jahre mit steigenden Erwerbstätigenzahlen durchbrochen.

Der Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden ist maßgeblich auf die höhere Zahl von Kurzarbeitern und sonstigen Freistellungen im Zuge der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie zurückzuführen. Das Arbeitsvolumen in NRW ist in allen Wirtschaftsbereichen gesunken. Den größten Rückgang gab es im Bereich „Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“ mit einem Minus von 6,6 Prozent, den geringsten Rückgang gab es im Baugewerbe mit einem Rückgang von 0,4 Prozent.

Durch den Rückgang der Erwerbstätigenzahl verringerte sich im Jahr 2020 die Zahl der Arbeitsstunden je Erwerbstätigen um 3,2 Prozent bzw. 43 Stunden auf 1.311 Stunden pro Kopf; das ist die niedrigste Pro-Kopf-Arbeitsleistung seit 2000. Der Rückgang betraf alle Wirtschaftszweige: Das größte Minus gab es mit 4,6 Prozent im Bereich „Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“. In der „Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei“ mit einem Minus von 1,4 Prozent und dem Baugewerbe mit einem Verlust von 1,7 Prozent war der Rückgang der Pro-Kopf-Arbeitszeit am geringsten.

Frühjahrsbelebung trotz steigender Infektionszahlen auf dem Arbeitsmarkt im März

Duisburg, 31. März 2021

Im Zuge der einsetzenden Frühjahrsbelebung liegt die Zahl der Arbeitslosen im März 2021 mit 2.827.000 um rund 77.000 niedriger als im Vormonat Februar. Saisonbereinigt ist sie um rund 8.000 gesunken. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Im Vergleich zum März des vorigen Jahres 2020 hat sich die Arbeitslosenzahl um rund 492.000 erhöht. Die Arbeitslosenquote verzeichnet im Vorjahresvergleich ein Plus von 1,1 Prozentpunkten. Die nach dem ILO-Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosenquote belief sich im Februar auf 4,6 Prozent.

„Im März gab es am Arbeitsmarkt eine spürbare Frühjahrsbelebung – und das, obwohl die Infektionen steigen und die Einschränkungen für einige Wirtschaftsbereiche nach wie vor bestehen. Insgesamt zeigt der Arbeitsmarkt aber weiter sehr deutliche Spuren der nun seit einem Jahr andauernden Krise.“, fasste der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele in Nürnberg die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus seiner Sicht zusammen.

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, lag im März bei 3.624.000 Personen. Das waren rund 344.000 Unterbeschäftigte mehr als noch vor einem Jahr.

Im März waren 609.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 82.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 12.000 erhöht. Der BA-Stellenindex (BA‑X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Personal in Deutschland – stieg im März 2021 um 4 Punkte auf 102 Punkte. Er liegt damit 11 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Von Oktober 2020 bis März 2021 meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 323.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Das waren 46.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang ist dabei nicht mit einem rückläufigen Interesse von jungen Menschen an der Berufsausbildung gleichzusetzen. Vielmehr unterbleiben Meldungen, weil die gewohnten Zugangswege versperrt sind und durch digitale Alternativen nicht vollständig ersetzt werden können.

197.000 Bewerberinnen und Bewerber sind noch unversorgt. Gleichzeitig waren 415.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 32.000 weniger als vor einem Jahr. Hier spiegeln sich die Einschränkungen und Unsicherheiten durch die Pandemie sowie die Transformationsprozesse in der Wirtschaft wider. Von den gemeldeten Ausbildungsstellen waren 260.000 im März noch unbesetzt. Der Ausbildungsmarkt ist im März aber noch sehr stark in Bewegung. Deshalb ist es für eine fundierte Bewertung zu früh.

Zukunft braucht Ausbildung

Duisburg, 30. März 2021

Die Zahl der Bewerber und Bewerberinnen am Ausbildungsmarkt geht ebenso wie die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell zurück.  Von Oktober 2020 bis Februar 2021 meldeten sich rund 294.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern. Das sind 40.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig waren 387.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 37.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg bekannt gab.

Der Ausbildungsmarkt ist im Frühjahr stark in Bewegung. Die Vermittlungen finden oft im Laufe des ersten Halbjahrs statt und es ist nicht ungewöhnlich, dass die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken. Dieses Jahr jedoch erschwert die Coronapandemie den Ausgleich am Ausbildungsmarkt.

Einerseits fehlt der persönliche Kontakt durch die Berufsberatung in die Arbeitsagenturen und Jobcenter, und es finden keine größeren Veranstaltungen zur Berufsorientierung persönlich statt. Nicht alle Kontakte und Gespräche können über Telefon oder digitale Zugänge ersetzt werden. Andererseits stehen sowohl Betriebe als auch junge Menschen vor großen Unsicherheiten.

Vorstand und Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit hatten deshalb gemeinsam zur Woche der Ausbildung dazu aufgerufen, alle Anstrengungen zu unternehmen, damit möglichst viele Betriebe ausbilden und viele junge Menschen eine berufliche Ausbildung absolvieren können. Dazu gibt es fast in allen Regionen digitale und virtuelle Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Betriebe.

Detlef Scheele, Vorsitzender des Vorstands der Bundesagentur stellte zur Ausbildungssituation auf dem deutschen Ausbildungsmarkt fest: „Wir blicken dieses Jahr durchaus mit Sorge auf den Ausbildungsmarkt. Der Lockdown schränkt die persönliche Beratung junger Menschen in den Arbeitsagenturen und Schulen ein. Schwierig ist das vor allem für die Jugendlichen, die besondere Unterstützung brauchen. Betriebe bieten zum Beispiel weniger Praktika an. Ich möchte deshalb an Arbeitgeber appellieren, trotz aller Herausforderungen bei der Ausbildung aktiv zu bleiben. Wer jetzt nicht für seinen eigenen Fachkräftenachwuchs sorgt, wird vielleicht nach dem Ende der Pandemie keine Fachkräfte mehr finden. Der demografische Wandel wird sonst dazu führen, dass der Fachkräftemangel zur Krise nach der Krise wird.  Den Jugendlichen rate ich, sich bei uns zu melden, damit unsere Berufsberater unterstützen können. Mit unserem digitalen Tool „Check U“ können sie vorab ihre Stärken und Interessen testen und anschließend einen Berufsberatungstermin – telefonisch oder per Videochat – vereinbaren.“

Arbeitslosigkeit reduziert sich im Jahresdurchschnitt um 110.000 Personen

Die Arbeitslosigkeit wird 2021 im Jahresdurchschnitt um rund 110.000 Personen zurückgehen. Auch die Erwerbstätigkeit erholt sich im Jahresverlauf spürbar, sinkt im Jahresdurchschnitt aber um rund 80.000 Personen. Dies geht aus der veröffentlichten Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus Nürnberg für das Jahr 2021 hervor. Im Jahresdurchschnitt erwartet das IAB rund 1,6 Millionen Kurzarbeitende.

Die Branchen entwickeln sich, auch durch den fortwährenden Lockdown unterschiedlich. Für 2021 erwarten die Forscherinnen und Forscher einen Rückgang um durchschnittlich 30.000 Stellen im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe. Aber auch im Produzierenden Gewerbe fallen 90.000 Beschäftigte weg. Trotz des Stellenabbaus im zweiten Quartal 2020 erholte sich das Baugewerbe danach recht zügig und die Beschäftigung nahm wieder zu.

Daher gehen die Forscherinnen und Forscher für 2021 von einer moderat steigenden Beschäftigung in Höhe von 30.000 Personen aus. Beschäftigungszuwächse verzeichnen insbesondere auch der Bereich öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 190.000 Personen, sowie der Bereich Information und Kommunikation mit 40.000 zusätzlichen Beschäftigten.

Die Covid-19-Pandemie schlägt sich auch in der Entwicklung der Erwerbsformen nieder. Für den Jahresschnitt 2021 wird ein Plus von 260.000 Personen auf 33.8 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte prognostiziert.

„Die Arbeitsmarktentwicklung zeigt sich im zweiten Lockdown sehr robust und verbessert sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung“, so die Forscherinnen und Forscher des IAB. Das IAB geht nach einem Rückgang in den ersten Monaten von einem deutlichen Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent im Jahresverlauf aus. Dennoch werden die durch den wirtschaftlichen Schock ausgelösten Verschlechterungen auf dem Arbeitsmarkt auch bis Ende des Jahres noch nicht vollständig wieder aufgeholt sein.

„Für eine Erholung des Arbeitsmarktes ist es notwendig, dass sich sowohl die Suchaktivität als auch die niedrige Neueinstellungsdynamik wieder erhöhen“, betont Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

„Am schlechtesten ist die Entwicklung bei Minijobbern und Selbständigen – also gerade den Gruppen, die nicht durch Kurzarbeit abgesichert sind,“ erklärt Weber. Für 2021 erwartet das IAB im Schnitt einen Rückgang um 150.000 auf 3.8 Millionen Selbstständige, was dem tiefsten Stand seit Mitte der 1990er Jahre entspricht. Bei den ausschließlich in einem Minijob Beschäftigten rechnen die Forscherinnen und Forscher 2021 trotz voraussichtlicher Erholung im Sommer mit einem Rückgang um 200.000 auf etwa 4.6 Millionen Personen.